Ein Mississippi River Steamboat als RC-Modell
Geschichte der Dampfschifffahrt auf dem Mississippi River System
Das
Mississippi River System ist weit verzweigt und ganze Bücher sind
über die Geschichte seiner Eroberung geschrieben worden. Die
Dampfschifffahrt begann auf den Flüssen im Norden der USA, zum Beispiel
auf dem Hudson River. Diese ersten Schiffe waren jedoch völlig anders in
ihrer Konzeption. Erst in veränderter Form kamen sie über die
inländischen Wasserwege im einzigartigen Mississippi River System zu ihrer
eigenen, prinzipiell rein amerikanischen Entwicklung. Dieser Aufschwung des
Transportmittels Riverboat, trug wesentlich zur Eroberung, Besiedelung und
Entwicklung des "Far West" und des Südens bei.
Die New Orleans befuhr als erstes River Steamboat den Mississippi und Ohio im
Jahr 1810, erbaut von Robert Fulton und R. Livingstone in Pittsburgh. Es
stellte sich jedoch schnell heraus, dass die New Orleans, ihre Rumpfform war
den Hudson Riverboats nachempfunden, zuviel Tiefgang und zu wenig Leistung
für diese Flüsse besaß.
Die notwendige Form des Rumpfes war also flach, wie bei antriebslosen
Flachbooten oder Nachen. Dies wurde zuerst von Henry McShreve im
"Light-Draft-Riverboat" Konzept umgesetzt. Das erste Riverboat, dass nach
diesem Konzept erbaut wurde war die "Washington". Sie verwirklichte alle
Eigenschaften der heute noch gängigen Riverboat Typen.
Die Flüsse waren zu dieser Zeit noch urtümlich, gespickt mit
Sandbänken, Treibholzinseln, Untiefen und felisigem Grund.
Schleusensysteme lagen in weiter Ferne. Für die vielfältigen Aufgaben
entwickelten sich unterschiedliche Schiffstypen. Trotz der Vielfalt sind jedoch
deutlich einige Grundtypen zu erkennen. Zunächst unterscheiden sich
Heckrad getriebene und Seitenrad getriebene Boote (Sternwheeler und
Sidewheeler). Beide hattten Vor– und Nachteile, die Sidewheeler waren
schneller, die Sternwheeler boten mehr Ladefläche. Fast immer wurden auf
Frachtern sowohl Passagiere als auch Fracht transportiert, diese Boote fuhren
häufig im Linienverkehr und wurden als Packet bezeichnet. Daneben
existierten Fähren (Ferries), Eisenbahnfähren (Transfers),
Arbeitsschiffe (Snagboats), Räumboote (Dredges), Schubschiffe und Leichter
(Towboats und Barges) für den Transport von Schüttgut wie Kohle, Sand
und Erz, und vieles mehr, bis hin zu Kanonenbooten (Gunboats) die im
Bürgerkrieg in den 1860ger Jahren die Flüsse sichern sollten.
Ausflugsdampfer (Excursionboats) waren häufig Packets im Ruhestand, die
ein wenig umgebaut wurden.
Die Blütezeit der
Riverboats waren die 1890ger Jahre. Später machten die mächtigen
Eisenbahnen dem großen Stückgut-Frachtgeschäft mit den Packets
auf dem Mississippi River System den Garaus. Um konkurrenzfähig zu bleiben
baute man große Barges, fasste sie zu Verbänden von bis zu 15
Kähnen zusammen und setzte ein leistungsstarkes Towboat dahinter. Diese so
genannten Ohio Tows konnten damit Lasten bis zu 30.000 tons bewegen, was den
Eisenbahnen in diesem Geschäft wiederum den Garaus machte. Heute umfassen
solche Tows bis 100.000 tons, die Towboats schieben mit Dieselantrieb bis zu 50
Barges bei einer Länge von 600m auf dem Mississippi River vor sich her.
Das größte dampfgetrieben Towboat war die Sprague, die um 1900
immerhin 67.000 tons schaffte.
Dann gab es noch die Theaterschiffe (Showboats), welche in den Köpfen der
Menschen durch einschlägige Hollywoodfilme ein völlig falsches Bild
haben. Die Showboats waren keine Dampfschiffe, sondern antriebslose Leichter
oder Frachtkähne (Barges), auf denen ein Theater aufgebaut war und welche
durch Towboats bewegt wurden. Aus Kostengründen waren diese Towboats meist
alt und heruntergekommen. Das Gespann wurde jedoch vom Steuerhaus (Pilothouse)
auf dem Dach des Showboats gesteuert. Durch Seile und Leinen wurde eine
Verbindung zu den Steuerseilen des Pilothouse im Towboat hergestellt.
Ein bisschen Technik der Riversteamboats

Knox and sons boatyard ca. 1875, zu sehen ist das Spantgerippe eines Neubaues.
Wegen des geringen Tiefgangs der Riverboats, teilweise waren lediglich 40cm
möglich, waren die Schiffe besonders flach und leicht gebaut. Dem
gegenüber benötigten sie eine starke Antriebsanlage, um der
Strömung des Flusses Herr zu werden. Daraus folgte ein flacher gerader
Rumpf mit angehobenem Bug und Heck. Da ein Stabilität gebender Effekt
durch einen Kiel fast völlig fehlte, war es nötig dem "Hogging"
genannten Durchhängen der Rümpfe durch Abspannungen mittel Pfosten
(Braces) und Drahtseilen (Chains) entgegen zu wirken (Hog-Chain-System).
Verschiedene Systeme ergänzten einander, um den Rumpf in Form zu halten
und das Gewicht von Kessel (Boiler) und Maschinen (Engine), sowie des
Schaufelrades (Paddlewheel) und der bei Fahrt entstehenden Torsionskräfte
aufzufangen. Je nach Ladezustand wurden die Chains auch nachgespannt. Insgesamt
muss man sich vor Augen halten, dass diese Schiffe keine starren Gebilde waren,
sonder eher Elastizität besaßen, da auch das Holz arbeitet. Je nach
Witterung, Berg– oder Talfahrt kam es zu Veränderungen.
Zur Maschine:
"Auch wenn der Kessel das unattraktivste Element einer Damfmaschine ist, so ist
es dennoch ihr Herz und ihre Seele. Er bewegt sich nicht — er steht
lediglich da und kocht Wasser — bestenfalls eine langweilige
Voraussetzung, jedoch ein wenig Studium wird zeigen, dass er das dynamischste
Element des ganzen Systems ist. Ein Kessel voller überhitztem Wasser ist
eine gesicherte Bombe, bereit bei der kleinsten Provokation zu explodieren, und
ist eine fordernde Prima Donna, weit tödlicher als eine Operndiva."
Aus: The Western Rivers Engineroom Cyclopaedium 1996 by Alan L. Bates

Boiler im Original und im Modell
Der Boiler der Valley Belle bestand aus zwei parallel geschalteten Kesseln.
Beide waren Flammrohrkessel des Western River Typs. Bei Kesseln dieses Typs
sitzt eine Verkleidung oberhalb der Feuerroste so, dass die Flammen und
heißen Gase zunächst unterhalb des Kessels nach hinten und dann erst
durch die Flammrohre nach vorne geleitet werden. Dort werden die Abgase
gesammelt und in die Schlote geleitet. Bei manchen Schiffstypen wurde auch der
Abdampf der Maschine durch die Schlote geleitet, was einen starken Sog im
Flammrohr verursachte.
Die Verkleidung umschliesst den ganzen Kessel und war an der Oberseite mit
Asbest bedeckt oder mit Schamott Steinen ausgekleidet. Die Verkleidung wurde
von Eisenstangen gestützt. Unterhalb der Feuerroste war die so genannte
Ash Pan, dorthin fielen Asche und Glutreste und von dort wurden diese durch ein
senkrecht durch den Rumpf reichendes Rohr, dem Ash Well, aussenbords
gespült.
Der Kessel der Valley Belle wurde mit Kohle befeuert, auch Holz oder andere
feste Brennstoffe waren möglich, erforderten jedoch andere Feuerroste. Die
Kessel waren am höchsten Punkt mit eine Traverse verbunden, so dass sich
der Dampf beider Kessel in der Steam Drum darüber sammelte und von dort
durch die Main Steam Pipe zur Maschine und allen weiteren Verbrauchern geleitet
wurde. Schlecht gewartete, verschmutzte und verkalkte Kessel führten in
der Frühzeit der Western River Steamboats häufig zu Explosionen.
Daher waren die Kessel später mit Sicherheitsventilen, Wasserstands–
Anzeigen und Sichtgläsern versehen. Quer zu den Kesseln verlaufen am
vorderen und hinteren Ende jeweils zwei Rohre mit größerem
Durchmesser. In diesen Mud Drums wurde das Sediment aus den Kesseln gesammelt
und von dort regelmäßig aussenbords gespült. Bei einigen
Kesseltypen wurde über die Mud Drums auch das Speisewasser zugeführt.
Zusätzliche Verbraucher des Dampfes waren zum Beispiel die "Doctor"
genannte automatische Speisewasser Pumpe und –Vorwärmung, die Winde
(Capstan), diverse Pumpen, der Speisewasser Injektor und der Generator.

Liegende Dampfmaschine und schematische Darstellung des Antriebes
Die gängisten Antriebsmaschinen waren zweifach wirkende Hochdruck
Expansions Dampfmaschinen mit liegendem Zylinder. Diese wirkten via Pitman
genannter Pleuel direkt auf das Paddlewheel, eine drehende Bewegung entstand
erst dort. Um den Totpunkt zu überwinden waren die Kurbeln (Cranks) am
Schaufelrad um 90 Grad gegeneinander versetzt, zur Vermeidung von Unwuchten
waren die Bucket Planks gegenüber der Kurbel jeweils verdoppelt oder mit
zusätzlichen Gewichten versehen.
Geschichte der Valley Belle

Knox and sons boatyard ca. 1875, zu sehen ist "the millhouse", das
Sägewerk der Werft.
Die Valley Belle wurde 1883 auf der Knox Werft in Hamar, Ohio als
hölzernes Packet für den kombinierten Fracht und Personenverkehr im
Marietta-Beverly Handel auf dem Muskingum River gebaut. Sie war ein Pooltype
Heckraddampfer, mit einem niedrigen nach vorne und tiefer gesetzten Steuerhaus,
um unter den nach aufstauen der Flüsse nun niedrigern Brücken der so
entstanden Pools durch zu kommen.

Die Valley Belle als Packet zwischen ihrem Stapellauf 1883 und dem Jahr 1917
Sie war 38,71 Meter lang, 6,71 m breit und von Kiel bis Deck 1,22 hoch. Der
Tiefgang betrug je nach Ladezustand bis zu 1 Meter, was ein Freibord von gerade
einmal 20 cm bedeutete. Sie trug zwei Dampfmaschinen mit einer
Zylinderlänge von 2,44m und einem Hub von 1,83m. Der nötige Dampf kam
aus zwei Kohle befeuerter Kessel mit jeweils 7,93m Länge und 0,91m
Durchmesser.
Sie befuhr die ersten 34 Jahre als Packet von Marietta, Ohio, aus den Muskingum
River auf verschiedenen Linien und wurde im Jahr 1917 für die
nächsten 26 Jahre als Towboat (Schubschiff) eingesetzt. Capt. William
(Billy) Bryant erwarb die Valley Belle 1919 um sein schwimmendes Theater
"Bryant´s Showboat" zu schieben. Fünf Jahre später, 1926,
ließ Billy Bryant die Valley Belle dann auch umbauen, mit den typischen
Attributen eines Towboats:
Stumpfer Bug, keine Guards (seitliche Überhänge), fehlender Aufbau
vor dem Pilothouse, keine Verzierungen.

Die Valley Belle als Towboat zwischen dem Jahr 1917 und vor ihrem Umbau 1926
Die Zeit als Showboat Schubschiff endete 1938. Die Valley Belle wurde an den
Vorbesitzer, Capt. Ben Raike, aus Kanauga, Ohio, zurück verkauft. Dieser
ließ ihr die größeren Maschinen der zuvor gesunkenen und
anschließend abgebrochenen Liberty einbauen. Mit diesen "neuen" (immerhin
schon 27 Jahre alten) Dampfmaschinen versah die Valley Belle noch weitere 5
Jahre ihren Dienst als Towboat, bis sie 1943 in Kanuga, Ohio, auf Grund lief
und anschließend abgebrochen wurde.

Die Valley Belle nach ihrem Umbau 1926, im Einsatz als Towboat für Bryants
Showboat und nach 1938 mit Barges
Damit war die Valley Belle der am längsten ununterbrochen Dienst tuende,
hölzerne Schaufelraddampfer. In diesen 60 Jahren fuhr sie unfallfrei, was
einen weiteren Rekord darstellt, waren doch Kesselexplosionen und Feuer die
häufigsten Ursachen für das Ende solch eines Raddampfers. In der
langen Zeit ihres Lebens hat sie ihr Aussehen verändert. Entsprechend den
Aufgaben und Einsätzen, dem Stand der jeweiligen Technik bis hin zu den
Vorlieben der Eigner, Kapitäne und sogar der Ingenieure an Bord wurden
Dinge verändert, umgebaut, versetzt, hinzugefügt und wieder entfernt.
Die elemtarsten Änderungen fanden 1926 beim Umbau zum klassischen Towboat
statt. Rumpf Aufbauten und auch der Anstrich wurden nachhaltig den Aufgaben
eines Schubschiffes angepasst. Während der Jahre 1919 bis 1938 trug sie
auch das Calliope, die Dampfpfeifenorgel, mit der das Showboat schon vor der
nächsten Flussbiegung sein Kommen ankündigte.

Bryants Showboat. Das Calliope befand sich meistens auf dem Towboat und steht
heute im Museum.

Bryants Showboat. Links im Bild Capt. Billy Bryant im Jahr 1948.
Das Modell der Valley Belle
Das Modell entstand aus einem Materialsatz / Baukasten der Fa. "Steamboat
Mueller" aus Bad Brückenau von 1979. Herr Manfred Müller, selbst
Modellbauer und Riverboat Enthusiast, hatte es sich Ende der 1970er Jahre zur
Aufgabe gemacht, die Original Riverboats, also vorbildgetreue Modelle, auf den
deutschen Markt zu bringen. Steamboat Müller ist leider vom Markt
verschwunden. Es ließ sich auch nicht in Erfahrung bringen wer nun die
Rechte an seinen Plänen und Bausatzkonzepten hat. Zur Herstellung seiner
Kleinserien stand er in engem Kontakt zu amerikanischen Riverboat Kennern und
der US Modellbau Szene. An seine Bausätze legte er selbst höchste
Ansprüche an die Qualität des Materials und die Vorbildtreue.
Der Bausatz, eigentlich eine Sammlung von verschiedenen Hölzern, teilweise
bedruckt, sowie einem guten Plansatz und einer ausführlichen Bauanleitung,
ermöglicht den Bau der Valley Belle, wie sie in den 1930er Jahren als
Schubschiff von Billy Bryants Showboat ausgesehen hat.

Die Valley Belle im Zustand nach dem Umbau 1926, Foto von dem 1 zu 96 Plansatz
von Alan L. Bates.
Erhalten habe ich diesen Bausatz vor rund 30 Jahren, als Jugendlicher. In den
ersten drei Jahren wurde von mir und meinem Vater auch fleißig daran
gebaut. Dann aber wurden andere Dinge wichtiger und der Rohbau stand 26 Jahre
im Keller. In diesem Jahr, 30 Jahre nach den ersten Handgriffen, habe ich das
Modell nun fertig gestellt. Es hat im Masstab 1 zu 32 eine Länge von
1100mm. Zur Fertigstellung mussten einige Teile noch komplett angefertigt
werden, wie zum Beispiel das Paddlewheel, einige Dinge benötigten eine
Reparatur oder es mussten Baufehler korrigiert werden. Auch hat der Zahn der
Zeit am Rohbau seine Spuren hinterlassen, unbehandeltes Holz verändert
sich in 30 Jahren im Keller und die Technik entwickelt sich weiter. Daher wurde
die RC Anlage neu konzipiert, neu verkabelt und mit neuen Funktionen versehen.
Alles musste lackiert und montiert werden und anschließend die vielen
Details gefertigt und angebracht.

Bauzustand von vor fast 30 Jahren. Rechts: Die Aufbauten sind abgenommen, Platz
für neue RC Technik.
Nach einem langen Prozess des Plan– und Anleitung Lesens, um wieder in
das Thema hinein zu kommen, habe ich, quasi zum aufwärmen, erst einmal das
Pilothouse lackiert. Ernsthaft begonnen habe ich erst dann damit, alle
Aufbauten abzunehmen, den Rumpf zu richten, mit Glasfasermatte und G4 zu
versiegeln, zu spachteln und zu schleifen. Anschließend konnte ich mir
über die RC Einbauten den Kopf zerbrechen.
Die wichtigsten Überlegungen betrafen das Gewicht, die Dichtigkeit und die
Zugänglichkeit des Innenraumes. In der Bauanleitung geht Herr Müller
davon aus, dass alle Aufbauten lediglich gesteckt und geschraubt werden, so
dass der Besitzer immer an alles heran kann. Wegen des geringen Freibordes von
ca. 2cm wollte ich dies nicht. So habe ich die Wände (Bulkheads) vom
Maschinenraum und Kohlebunkern fest mit wasserfestem Holzleim montiert. Die
seitlichen Öffnungen in der Trennwannd zwischen Maschinenraum und dem
Maindeck habe ich mit Deckeln von innen verschlossen und die Öffnungen
lediglich durch den Anstrich angedeutet. Im Ergebnis bedeutete dies ein
erhöhtes Freibord im Maschinenraum auf ca. 5cm (Unterkante der seitlichen,
offenen Fenster) und die Möglichkeit durch gut sitzende Deckel den Rest
des Maindeck abzudichten. Die quadratischen kleinen Öffnungen im Maindeck
sind die Aufnahmen für die Pfosten der Seitenwände und der Braces.
Diese habe ich von unten verschlossen, so dass es sich nun um Sacklöcher
handelt.
Um Gewicht zu sparen und rechnerisch das Freibord von 2cm auch zu erreichen,
wurde die vorgesehenen 6V Bleiaccus durch NiCd Zellen für 8,4V ersetzt.
Mit dem entsprechenden Getriebe erreicht das Paddelwheel nun die für eine
masstabgerechte Geschwindigkeit nötigen 40 bis 50 Umdrehungen in der
Minute. Statt der 4 Zellen für den Empfänger wurde ein BEC
eingesetzt, alle Schalt Relais flogen raus, ebenso die Geräuschmodule
für Whistle und Engine. Ersetzt wurde das alles durch ein USM-RC Sound
Modul der Fa. Beier electronic. Die Sounds für Engine Whistle und Calliope
stammen von digitalisierten Originalaufnahmen. Vor dem RC Einbau wurde der
Innenraum komplett grundiert und zweimal lackiert, um ihn vor Kondenswassser zu
schützen. Der Empfänger mit dem BEC und das Sondmodul sind jeweils in
Feuchtraum — Aufputzdosen zur Elektroinstallation untergebracht.

Rumpf grundiert, gespachtelt, RC Einbauten.

Einbau der RC Komponenten, Antrieb mit Getriebemotor, Schalter und
Ladebuchse
im linken Kohlebunker sind später leicht von oben erreichbar.

Lackieren des Rumpfes mit Mattlacken, erst weiß dann weinrot.
Ursprünglich waren Rauchgeneratoren der Fa. Seuthe in den beiden Schloten
vorgesehen, das Destilat dazu sollte in der Kessel Attrappe untergebracht
werden. Da dieser Destilat Rauch weiß ist, aus den Schloten jedoch kein
weißer Dampf sondern schwarzer Rauch der Kesselbefeuerung austritt, und
die Rauchfähnchen aus den Generatoren recht mager sind, habe ich auch die
Raucherzeugung aus dem Programm gestrichen. Da der Tank im Kessel nun entfiel,
wurde dieser umgebaut und vorbildgetreu nachgebaut. Über das Soundmodul
lässt sich ein Kohleschaufel– Sound abrufen, begleitet von einem
unter der Feuerung angebrachten roten Flackerlicht. Der Lautsprecher ist an der
Rückwand des Maindeck angebracht, von aussen nicht zu sehen. Bevor der
Rumpf und die Wände von Engineroom und Kohlebunkern lackiert waren,
brachte ich die Beklankung des Maindeck auf.

Zustand Rumpf mit neuer Kesselattrappe, Beplankung Maindeck.
Um den Antrieb fertig zu stellen und zu testen, musste ich nun das Paddlewheel
bauen. Hier war noch nichts geschehen, es musten zunächst alle Teile
ausgesägt werden. Bei vier Rädern mit je 13 Speichen ergaben sich 104
Bohrungen und anschließend 104 Innenausschnitte mit der Laubsäge.
Dabei war es wichtig, alle 4 Räder sehr exakt und möglichst identisch
zu bearbeiten, um einen gleichmäßigen Rundlauf des Schaufelrades
sicher zu stellen. Auf die ausgesägten Sterne wurden nun jeweil links und
rechts Scheiben aufgebracht, die mit Bohrungen (wieder 104) und 0,7mm Schrauben
und Muttern versehen wurden.

Paddlewheel: Aussägen der Sterne.

Paddlewheel: Aussägen der Ringe und Scheiben.

Sterne, Ringe und Scheiben werden verleimt.

Fertiger Stern, Bohrungen und Sechskantschrauben.

Ausrichten und Lackieren der Sterne.
Nachdem die Sterne lackiert waren, mussten die eigentliche "Paddel", Bucket
Planks genannt, gebaut und montiert werden. Dies geschah mit 104 zu biegenden
U–Bolzen, welche von hinten um die Arme der Sterne greifen und vorne
durch eine Auflage (Batten) geführt wurden. Gesichert wurden die
U–Bolzen durch einen Tropfen Lötzinn auf den Spitzen.

Montage der Bucket Planks, Funktionstest des fertigen Antriebstranges.
Jetzt brachte ich die drei Ruderblätter in ihre vorgesehene Position und
verband sie mit dem Servo. Die Ruder sitzen in 4mm Messingröhrchen, welche
durch den Heckspant geführt sind. Dieser besteht, wie alle tragenden
Rumpfbauteile aus 16fach verleimten Sperrholz mit 12mm Stärke, wobei der
Heckspant aufgedoppelt ist.
Bei einer unachtsamen Bewegung stieß ich das Pilothouse vom Tisch,
welches zerbrach. Nach anfänglichem Frust betrachtet ich es als Chance, es
bei der Reparatur zu verbessern. Hatte ich vor 30 Jahren, abweichend vom Plan,
die Fenster noch starr ausgeführt, so baute ich nun die dreigeteitelten
Schiebefenster. Insgesamt hat das Pilothouse durch den Sturz letztlich
gewonnen.

Das Pilothouse vor und nach dem Sturz.

Einbau der Schiebefenster, noch unlackiert.
Nach der zweiten Fertigstellung des Pilothouse habe ich das Boilerdeck fertig
gebaut. Hier fehlten noch die Winkelstützen, die Dielung an der Unterseite
und einige Kleinigkeiten. Dabei musste ich einige Dachsparren neu verleimen, da
sie sich in den letzten 30 Jahren stark verzogen hatten. Auch den
Füßen der Seitenwände und Stützen musste ich den letzten
Schliff geben, damit sie auch nach der Lackierung reibungslos passten.
Die Umrandung des Niedergang zum Maindeck musste noch mit Dielenbrettern
kaschiert werden. Das Deck mit den Seitenwänden habe ich entsprechend dem
Farbschema in weiß und weinrot matt lackiert, das Deck selbst mit mattem
Klarlack, die Luken zum Kohlebunker und die Ummantelung der Schlote schwarz.
Die Cabin, sprich der Aufbau auf dem Boilerdeck habe ich nun auch lackiert.
Hier mußte ich nur noch vier Fensterkreuze wiederherstellen und die
Scheiben dahinterkleben.

Boilerdeck und Cabin fertig lackiert. Massnehmen des Geländers.

Kohlebunker und Bugansicht mit Detail Towing Knees, Capstan, Aufgang zum
Boilerdeck.
Im rechten Kohlebunker arbeitet ein fleißiger Heizer. Ihm spendierte ich
noch einen Haufen Kohle.
Jetzt folgte die Reparatur des Geländers. Hier waren etliche der
Stützen herausgebrochen. Und es fehlte noch die äußere Latte
des Handlaufes. Das Geländer besteht aus drei Abschnitten: Jeweils zwei
seitliche Teilstücke links und rechts beginnend am Pilothouse bis achtern
zur Spritzschutzwand und dem hufeisenförmigen vordern Teilstück. In
den hinteren, seitlichen Teilstücken wechseln sich Handlaufstützen
und Dachstützen für das Dach der Cabin ab.


Das Geländer wird immer wieder an den Decksprung angepasst, dann erst
fertig gebaut und lackiert.
Das vordere Teilstück wird mit den Stützen von unten an das Deck
geschraubt. Die seitlichen Teilstücke sind am Boilerdeck verstiftet und
geleimt. Die Dachstützen werden von oben durch das Dach festgeschraubt und
halten so das Dach mit in Form. Auch die Schlote, Stacks genannt waren jetzt an
der Reihe. Im Original bestanden die Stacks aus genieteten Rohrstücken.
Die Überlappungen bildetet ich mit Papierstreifen nach, die Nieten mit
Tröpfchen von Weißleim in einer Linie auf den Streifen.
Anschließend matt schwarz lackiert und mit Graphit auf Eisen getrimmt,
wurden sie in ihren Ummantelungen ausgerichtet und fixiert.


Ansichten im Bauzustand, Cabin Dach liegt nur provisorisch auf, vorderes
Geländer und Stacks montiert.

Das Cabin Dach wird mit "Teerpappe" eingedeckt, die Whistle wartet schon auf
ihren Einbau.

Das Cabin Dach fertig eingedeckt, die Whistle ist montiert, Bauteile des
Hecklichts
Das fertige Geländer habe ich auf das Boilerdeck montiert und danach das
Dach der Cabin aufgeleimt. Nachdem das Dach mit einer Teerpappen Imitation
versehen war, musste ich zunächst das Hecklicht bauen und anschliessen,
bevor ich die achtere Spritzschutzwand anpassen, lackieren und anbauen konnte.
Towboats führten achtern zwei rote Lichter übereinander.

Das Hecklicht im Zusamenbau und fertig lackiert an Ort und Stelle

Die achtere Spritzschutzwand ist angebaut sowie weitere Bauteile auf dem Dach.
Mit der Montage der achteren Spritzschutzwand war der Bau des Boilerdecks
abgeschlossen, die gesamte oberer Einheit ist nun stabil und lässt sich
problemlos abnehmen. Jetzt folgte die Beleuchtung auf dem Maindeck, das sind
drei Gitterlampen über dem Kessel, sowie die Verkabelung für die
Positionslichter an den Schloten. Diese wurden an der Deckunterseite verlegt.
An der Decke des Engine Room wird durch zwei Prüfstifte mit zwei
Kupferkontaktstreifen die Verbindung zur Stromversorgung hergestellt, sobald
ich das obere Bauteil aufsetze. Geschaltet wird die Beleuchtung durch das
Soundmodul.


Die Beleuchtung auf dem Boilerdeck ist angebracht, die Braces am Paddlewheel
sind montiert.
Zwischendurch hat die Besatzung komplett angeheuert und ihre Positionen
eingenommen. Capt. Billy Bryant ist jedoch noch nicht an Bord, ebensowenig der
Spieler des Calliope. Alle anderen sind schon fleissig bei der Arbeit.

Men at work: Pilot, Maschinist.

Men at work: Deckhand und Heizer.
Die Positionslichter sind aus Messing und Acrylglas Drehteilen
(Modellbaukaufhaus) gebaut. Wie die Hecklichter habe ich diese noch schwarz
gestrichen. Zur Befestigung an den Schloten lötete ich oben noch einen
Ring an. Ein 0,3mm Kabel liefert den Strom und dient gleichzeitig als Seilzug.
Nach den Lichtern folgte der Bau des Glockenstuhls und die Abspannung der
Schlote. Die Abspannung der Schlote erfolgte mit schwarzem Takelgarn. Der
Glockenstuhl wurde aus 3mm x 0,7mm x 19mm Messingstreifen gebogen, die
Schnecken sind angelötete Rohrstücke. Die Glocke des Originals wurde
bereits im Jahr 1848 gegossen. Nach dem großen Umbau der Valley Belle
1926, war neben der Whistle und der Maschine samt Kessel, die Glocke eigentlich
das einzige, das von der ursprünglichen Valley Belle übrig blieb. Als
letzte Baugruppe musste ich nun noch die Abspannungen des großen Hog
Chain Systems herstellen. Die Kappen sind aus 0,2mm Messingblech, die
Abspannungen aus 1mm Messingdraht. Die Spanner (Turnbuckles) sind Fertigteile
aus dem Bausatz, auch zu beziehen als Eisenbahn Zubehör für Spur 1.



Lichter, Glockenstuhl, Abspannung der Schlote und Hog Chain im Bau.
Nach einigem Überlegen habe ich die Aussenwand des Niedergangs zum
Maindeck noch schwarz lackiert. Die Angaben hierzu sind durchaus
unterschiedlich, im Plan von Alan Bates fällt der Niedergang unter "alles
Übrige" das weiß gestrichen werden soll, bei Manfred Müller
sind dazu keine Angaben und auf den Fotos scheint er mal grau, mal weiß
und mal schwarz. Ich entschied mich für schwarz, direkt neben den
Kohleluken scheint mir das sehr sinnvoll. Mal zu den Kleinigkeiten: Zwischen
dem Alan L. Bates Plan und den Müller Plänen gibt es einige
Unterschiede. So variieren die Positionen der Kaminrohre auf dem Dach, die
Angaben zur Farbgebung, etc.. Nach meinem Verständnis hat Alan L. Bates in
Gesprächen mit Billy Bryant die Valley Belle Pläne rekonstruiert,
Manfred Müller hat diese als Vorlage für seinen Bausatz genommen. So
sollte dem Bates Plan jedenfalls der Vorrang eingerämt werden, da er
näher dran ist. Jedoch ist hier immer die Frage, welchen Zeitpunkt er
abbildet. Zwischen den Fotos und dem Plan gibt es nämlich auch jede Menge
Unterschiede. Es wird also nie ganz gelingen, das Modell vorbildgetreu zu
bauen, man kann sich höchstens einem Zeitpunkt annähern. In meinem
Fall sollte dies ein Zeitfenster von etwa 5 Jahren nach 1926 sein.
Einige Dinge waren noch zu tun: Das große Hog Chain System musste ich
noch fertigstellen und die Klampen, je eine an Steuerbord und Backbord am Bug,
und je zwei mittschiffs. Für das Hog Chain lötete ich zuerst die
sechs Kappen, welche auf den Pfosten sitzen, aus Messingblech und verspannte
anschliessend den Draht zwischen ihnen. Gehalten werden die Chains von 0,7mm
Gewindeschrauben. Da ein Teil der Abspannung fest im oberen Teil der
abnehmbaren Aufbauten bleibt, konnte ich diese nur an Ort und Stelle verbinden
und einsetzen, so dass ich sie auch erst nach deren Montage lackieren konnte.


Von links nach rechts: Hintere, mittlere und vordere Kappe auf den Steuerbord
Pfosten und Gesamtansicht.
Die Klampenform und —maße entnahm ich dem Plan von Alan Bates. Mit
2,8mm Länge erschienen sie mir ein wenig groß, im Fuß haben
sie eine Breite von 9mm. Jedoch waren sie ja nicht dazu da irgendwelche Fender
oder Taue zu belegen, sondern nahmen alle Zugkräfte aus dem Schubverband
auf. So sollen sie wohl richtig dimensioniert sein und am Modell sehen sie auch
passend aus. Die Klampen baute ich aus Holzleisten, die ich in Form schliff und
dann lackierte. Am Modell habe ich sie mit den Rumpfwänden verstiftet und
auf Deck geleimt, denn wenn das Showboat mal fertig ist, sollen meine
Modellklampen ja auch den Verband zusammenhalten.

Klampen: Einzelne Bauschritte und fertig am Modell
Bis auf das Calliope ist nun alles fertig. Daher schritt ich zur
obligatorischen Werfterprobungsfahrt in der Wanne. Vor der ersten Wasserung
gings nochmal auf die Waage: Mit allem, was jetzt verbaut ist bringt die Valley
Belle nun 6,8 kg auf die Waage. Damit sollte sie ungefähr richtig liegen,
meine Sorge war mehr die Trimmlage. Ein zu tief hängendes oder frei
schwebendes Paddlewheel wollte ich nicht. Aber alles lief perfekt: Der Bug
kommt weit genug raus, das Schaufelrad berührt genau mit dem
äußeren Ring das Wasser und mittschiffs bleiben ca. 2cm Freibord.


Erster Kontakt mit ihrem Element, die "Tal–Schönheit" liegt gut im
Wasser.
Zum Abschluss musste ich letzt noch das Calliope nachbauen. Dazu standen mir
zwei Fotos und der Plan von A. Bates zur Verfügung. Aus dem Plan konnte
ich die Proportionen entnehmen, die Fotos lieferten Anhaltspunkte zu Form und
Größe des Calliope, denn auf einem Bild ist Josephine Bryant zu
sehen, die das Instrument spielte. Neben dem Foto fand ich noch weitere
Informationen in dem Buch von Betty Bryant: "Here comes the showboat", z.B. die
über die Funktionsweise.

Das Foto aus dem Buch, erste Pfeifen entstehen.

Der Rahmen mit allen 24 Pfeifen, der Spieltisch

Alle Pfeifen sind mit dem Spieltisch verbunden, das fertige Calliope ist
lackiert.
Das Calliope hat 24 Pfeifen in unterschiedlicher Größe, die ich aus
Buchen Rundstäben mit 5, 4, 3, und 2 mm Durchmesser drechselte. Die
Ventile unterhalb der Pfeifen haben Hebel, welche in den Rahmen des Calliope
reichen und von dort mit Drähten mit den 24 Tasten des Spieltisches
verbunden sind. Diese bildet ich mit Garn nach. Die Klaviatur des Spieltisches
ist im Buch beschrieben und wurde von mir so am PC nachgezeichnet. Der Ausdruck
auf Briefkarton sitzt nun im Spieltisch.
Damit wurde der Bau des Modells 30 Jahre nach Beginn nun abgeschlossen.
Insgesamt schätze ich die reine Bauzeit auf etwa 1600 Stunden.

Modell der Valley Belle
Das nächste Projekt wird der Bau des Showboat sein. Hier gehts es zum Bau von Bryant′s new
Showboat!

Modellbauplan für das Showboat der Familie Bryant
Bildnachweis
Die Bilder und Fotos der Originale
(Valley Belle, Showboat, Werft, Billy Bryant, Boiler etc.)
stammen aus:

Die Karte des Mississippi River System stammt von:

Die Fotos des Modells gehören mir selbst.
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