Schiffs Modellbau
 

Ferngesteuerte Modelle von Segelschiffen

Baubericht Karoline ◊ Baubericht Norderney ◊ River Steamboat Valley Belle ◊   

Modellsegler Startseite ◊ Impressum ◊ Home ◊ shop ◊   

     
 

Bericht über:

Inhalt Baukasten ◊ 

Im Bau ◊ 
¬ Rumpf & Deck 
¬ Mast & Segel 

In Fahrt ◊ 




Bücher über
Schiffsmodellbau

RC-Segelmodelle
ansehen / bestellen

Historischer Schiffsmodellbau.
Schritt für Schritt gezeigt
(Broschiert)
von Philip Reed




RC-Segelmodelle
ansehen / bestellen

Das etwas andere Schiffsmodell.
Grundlagen und Techniken für den realistischen Schiffsmodellbau
(Broschiert)
von Werner Zimmermann

 

Baubericht: Modell Segelboot "Norderney" von Graupner

Zum Zeitpunkt des Baus der Norderney habe ich noch nicht daran gedacht, dies einmal auf einer Internet Seite zu zeigen. Daher gibt es aus der Bauzeit nur sehr wenige Bilder. Das mit den Fotos ist auch so eine Sache, meistens fällt mir erst ein zu fotographieren, wenn der Arbeitsschritt schon fertig ist.

Inhalt des Baukastens

Den Baukasten der Fa. Graupner (Graupner GmbH & Co., KG Postfach 1242, 73220 Kirchheim/Teck, www.graupner.de) habe ich Ende 2001 im Internet von "Privat" ersteigert, da er leider nicht mehr vertrieben wurde. Gleichzeitig ersteigerte ich den zusätzlichen Segelsatz für Gaffeltopsegel und Klüver. Dem Bausatz liegen lediglich Fock und Großsegel bei.

Das Modell ist wahlweise als Standmodell mit allen Segeln oder als Leichtwind Segler, dann nur mit Fock und Groß, zu bauen. Dies gefiel mir nicht, ich wollte auf jeden Fall ein fahrtüchtiges Modell mit allen Segeln bauen. Im Baukasten war folgendes enthalten:

  • Ein tiefgezogener Rumpf aus ABS in von guter Qualität,
  • verschiedene vorgestanzte und bedruckte Holzteile aus Sperrholz für Deck, Plicht, Bünn und Niedergänge,
  • Kiefern Leisten für den Ständer und die Schanzkleidstützen,
  • Buchen Rundhölzer für Masten und Bäume,
  • fertige Segel: Groß, Gaffeltop, Fock und Klüver,
  • Beschlagtsatz mit div. Klampen, Pollern, einer Winde etc.,
  • Takelgarne in verschiedenen Stärken,
  • eine mehrsprachige, bebilderte Bauanleitung,
  • zwei große 1 : 1 Modellpläne mit Draufsichten, Aufrissen und Detailzeichnungen,
  • ein RC Einbauplan.

Die Bauanleitung zeigt in Bildern und Erläuterungen jeden Bauabschnitt, so dass auch Einsteiger durchaus ohne Schwierigkeiten das Modell bauen können. Ein wenig Erfahrung ist aber sicher hilfreich. Was den RC Einbau betraf, waren einige Anpassungen an zeitgemäße Technik notwendig.

Bau

Rumpf und Deck

Da ich alle Segel anschlagen wollte, musste ich mir erstmal Gedanken über die Ballast Verteilung machen. Der Rumpf hat erheblichen Tiefgang und verträgt so einiges. Abweichend vom Plan fertigte ich eine Holzform vom sichtbaren Teil des Schwertes, welches ich anschließend aus Blei goß. Dabei habe ich zwei M4 Messingschrauben so mit eingegossen, dass ich die Gewinde im Rumpf anschrauben konnte. Das Schwert ist dauerhaft angeschraubt und mit Stabilit verleimt, die Schrauben gehen innen durch ein Gegenlager aus Messing, dass die gesamte Breite und ¼ der Länge des gesamten Kiels ausmacht. Tatsächlich sitzt es so bombenfest, dass ich das Modell häufig am Schwert trage.

Direkt über dem Schwert liegt der 6V 4,5Ah Bleiakku (Fahrzeiten von 4 Stunden und länger), davor und dahinter entlang des Kiels ist weiteres Bleischrot angebracht. Gesamtgewicht ca. 3,50 kg Ballast. Damit liegt das Boot genau auf der KWL und hat bisher noch jede Böe gemeistert.

Weitere Einbauten sind Modellbau Routine: entstörter Motor, Welle, Schraube, Ruderkoker und Gegenlager, Konsolen für Lenkservo, Empfänger, Drehzahlsteller (BEC) und Schaltrelais für die Beleuchtung. Die Antenne lötete ich an das Wasserstag (Fesselfluglitze), welches dann eine Verbindung zum Vorstag (dto.) hat.

Der Einbau der Segelwinden und Umlaufschoten erforderte etwas Geschick, leider sind sie nach Einbau von aussen kaum noch zugänglich. Die Winden liegen oberhalb der restlichen RC Komponenten, so dass sich zwei Ebenen ergeben, die ich durch eine lackierte Pappe von einander trennte: Technik unten, Schoten oben.

Die Ansteuerung des Ruders ist von Graupner auf Deck vorgesehen. Dies gefiel mir absolut nicht. Ich stellte eine feste Verbindung unter Deck mit einem Bowdenzug zum Servo her. Dies klappt gut, und weil es durch die Plicht im achteren Teil des Rumpfes recht eng zugeht, ist nur diese flexible Ansteuerung möglich. Eine Ansteurung mit Umlenkrollen und Drahtseil hat sich nicht bewährt, die Zugkräfte waren im Einsatz so groß, dass ein Draht abriss.

Nachdem die Technik drin war, kam das Deck dran: Zwei Unterzüge und eine, unterhalb der im Rumpf eingearbeiteten Scheuerleiste, umlaufende Leiste bilden die Auflage. Das Deck wird dann in die Auswölbung der Scheuerleiste gedrückt und liegt satt auf. Dann folgt der Bau von Bünn, Plicht, Oberlicht und Niedergängen aus vorgestanzten Sperrholzteilen, das Anbringen der Schanzkleidstützen aus Kiefernleisten und das Aufkleben des Handlaufes aus Sperrholz.

Norderney, Deck und Niedergänge
Deck und Aufbauten.

Einbauplan
Für größere Ansicht auf das Bild klicken!

Norderney
Segelwinden und Umlaufschot.

Norderney
Segelwinden und Umlaufschot.

Norderney
Segelwinden und Umlaufschot.

Norderney
Segelwinden und Umlaufschot.

Masten Bäume und Segel

Die beiliegenden Rundhölzer habe ich nach Plan konisch geschliffen und abgelängt. Die Gaffel wird aus Holzleisten gefertigt und mit dem Gaffelbaum verleimt und mit Messingnägeln verbolzt. Der Bugspriet ist auf dem Vordersteven verschraubt. Die Lümmellager am Mast sind aus Messing gefertigt. Nach dem Einsetzen und Ausrichten des Mastes, wurde das stehende Gut angeschlagen. Dabei handelt es sich um Drahtseile (Fesselfluglitze). Mit Hilfe der Wantenspanner wurde der Mast und der Bugspriet an Wanten, Wasserstag und Vorstag justiert und in die endgültige Position gebracht. Den Mast kann man nicht herausnehmen, aber das Modell ist sehr robust und lässt sich auch voll aufgetakelt gut transportieren.

Allerdings habe ich das Gaffeltop – Segel so angeschlagen, dass es leicht entfernt werden kann, um die Segelfläche den Windverhältnissen anpassen zu können. Bisher habe ich es aber erst einmal zu Testzwecken abgenommen, nötig war es nicht.

Norderney, Mast setzen
Mast.

Bei den Arbeiten an der Takelage baute ich auch gleich Positionslichter. Diese sind zwar eigentlich nicht vorgesehen, aber bei Fahrten in der Dämmerung wollte ich nicht darauf verzichten. Die Kabel für die Back- und Steuerbord geführten Lichter legte ich entlang den Schanzkleidstützen, wo sie an den Wanten zu den Lichtern geführt werden konnten.

Die Wanten erstellte ich deshalb auch an jeder Seite zweifach, laut Plan hat die Norderney nur ein Wantenpaar. Das Kabel für das Hecklicht führte ich durch den Achtersteven. Im Inneren des Bootes brachte ich noch ein weißes Licht direkt unter dem Oberlicht an.

Norderney, nautische Beleuchtung
Positionslampen.

Norderney
Mast steht.

Norderney
Segelwinden und Umlaufschot.
Für größere Ansicht auf das Bild klicken!

Norderney
Großbaum Schotführung.

Norderney
Abgeschlagenes Gaffeltop Segel

Norderney
Positionslichter in der Dämmerung
Für größere Ansicht auf das Bild klicken!

In Fahrt

Zur Vervollständigung des Modells erstand ich noch einen Skipper im richtigen Maßstab von CAP, den ich so zusammenbaute, dass er der Bewegung der Ruderpinne mit dem Oberkörper folgt. So eine leere Plicht auf einem Segler wirkt immer wie ein fliegender Holländer.

In der Farbgebung folgte ich dem Vorschlag von Graupner vollständig, weil es mir gut gefällt. Mit einem Netz, einer Reuse, ein paar Kisten mit Fischen und einem Kompass kommt etwas Leben aufs Deck.

Norderney
Der Skipper hat alles im Blick.

So, nun zu den Fahreigenschaften. Die besten Ergebnisse erzielt die Norderney auf Kursen am Wind oder mit raumen Wind. Vor dem Wind zu segeln, ist wie der Versuch mit einer Bleistiftspitze eine Kugel genau geradeaus zu schieben. Es erfordert dauernde Ruderhilfen und Kurskorrekturen.

In Böen hat sie sich bisher als Stehaufmännchen erwiesen, mit einer Tendenz zum anluven. Eine Wende fährt sich nicht so leicht. Erst mal muss die dicke Dame genügend Schwung holen, dann Ruder legen, Fock und Klüver rüberholen und das Großsegel dichtholen, dann abfallen und fieren und dann erst wieder anluven und Fahrt aufnehmen. Meistens klappts dann. Manchmal brauchts aber auch zwei bis drei Anläufe. Angeblich war es aber bei den Vorbildern nicht anders, ist halt völlig anders als ein Bermuda Rigg. Wenn alles nichts hilft, nimmt man den Flautenschieber zur Hilfe.

Norderney
Ein wenig abfallen und raumschots segeln.
Für größere Ansicht auf das Bild klicken!

Norderney, raumer Wind
Norderney, raumer Wind von Steuerbord.
Für größere Ansicht auf das Bild klicken!

Insgesamt bin ich mit dem Modell sehr zufrieden! Es segelt sich gutmütig und verzeiht dem Skipper am Ufer fast jeden Fehler, es ist sehr robust und trotz der Klassifikation "Leichtwindsegler" auch bei mäßig starkem Wind noch einsetzbar, schlimmstenfalls steicht man das Gaffeltop Segel. Die Optik gefällt mir auch und der Bausatz stellt keine unüberwindbaren Herausforderungen dar. Letztlich sehr schade, dass Graupner das Modell aus dem Programm genommen hat, aber dadurch auch nicht überall zu sehen.

Norderney
Kleines Boot auf großer Fahrt.

Am Wind Kurs
Am Wind
Für größere Ansicht auf das Bild klicken!

Anluven zur Wende
Anluven zur Wende
Für größere Ansicht auf das Bild klicken!

Auf Backbordbug
Auf Backbordbug
Für größere Ansicht auf das Bild klicken!

Norderney
Vor dem Wind.


     

   © 2007 by Georg Reulen •  modellbau@reulen.de   www.reulen.de